Blind

Jeden Morgen, wenn ich die Augen öffne und sehe, dass deine Betthälfte noch immer leer ist, trübt sich mein Blick sofort. Nur während eines kurzen Momentes, zwischen dem Aufwachen und Realisieren, dass du immer noch weg bist, kann ich noch klar sehen.

Danach erblinde ich. Jeden Tag auf ein Neues. Als könnte mein Körper es nicht verkraften, dass du weg bist. Als würden meine Augen es nicht ertragen, dich nicht zu sehen, und deshalb alles andere in Dunkelheit tauchen.

So bin ich gezwungen mich durch die Welt zu tasten. Meine weiße Haut wirkt wie die Leinwand eines Künstlers. Übersät von Hämatomen, weil ich es nicht schaffe, mich in der Dunkelheit zurecht zu finden.

Ich liege mit geschlossenen Augen wach im Bett. Ich habe Angst davor, sie zu öffnen, weil ich ahne, was auch heute wieder passieren wird. Meine Hand wandert zu deiner Bettseite. Anstatt deiner warmen Haut ertaste ich nur das unberührte Laken.

Ich öffne meine Augen. Du bist immer noch nicht hier. Und der graue Schleier legt sich wieder über meine Pupillen.


Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Projekt txt verfasst. Das Schlüsselwort lautet trüb.

Über Meichy

Meichy // 24 // Sozialarbeiterin mit einer Leidenschaft für das geschriebene Wort // Kontakt: meichy@gmx.at
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2 Antworten zu Blind

  1. Pingback: Lesestoff • Ausgabe #8/2016 - Neon|Wilderness

  2. monoingrau schreibt:

    Das ist ja ein sehr interessantes Projekt…

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